Der Wunsch jedes Kindes

Mittwoch, 13. July 2011.

Es ist weder Weihnachten, noch Schuljahresende, noch mein Geburtstag, noch... kurz gesagt, es ist noch lange lange hin, bis wider ein Zeitpunkt kommt, zu dem ich mir etwas wünschen kann.

Heute Vormittag habe ich gelernt, dass für manche Menschen ihr guten alten Freunde nicht so wichtig sind, wie ihre neuen Flüchtigen.

Heute Mittag habe ich gelernt, dass Dankbarkeit nicht Alles ist, sondern allein der Gedanke daran, dass ich gearbeitet habe, die Aufgaben, die meine Mutter erledigen müsste, einfach erledigt habe. & sie hat es mir nicht wirklich gedankt, aber ich weis, dass ich etwas gutes getan habe, denn dadurch muss sie genau diese Dinge nicht mehr tun.

Heute Nachmittag habe ich gelernt, man keine Erwartungen haben darf. Wenn man von einem Moment erwartet, dass es der schönste deines Tages wird & er es dann nicht wird, weil er deinen Ansprüchen nicht gerecht wird, ist nicht der Moment schuld, sondern du selbst. Hättest du keine Erwartungen gehabt, würdest du die schönen Dinge sehen, die passiert sind, obwohl du es nicht erwartet hättest. Es ist schwierig zu verstehen, doch man kann einen Moment schon alleine deshalb unwirklich & gezwungen, nicht den Erwartungen entsprechend machen, wenn man zu hohe Erwartungen hat.

Heute Abend habe ich gelernt, dass das Leben hart ist. Meine Eltern haben sich gestritten. Mal wieder. & ja! Ich habe hin und wieder schreckliche Angst das sie sich trennen. HEute habe ich in Erwägung gezogen, dass es vielleicht das beste wäre. Beide Arbeiten zu viel & verlangen zu viel vom Leben. Sie reden nicht mehr miteinander. Ich sehe sie nie mehr glücklich - nicht miteinander. Es macht mich traurig zu wissen, dass mein Vater nichts daran ändern kann, dass er so viel arbeitet, nicht einmal wenn seine Arbeit keine Flucht vor sich selbst in die Arbeit wäre. & er kann es auch nicht ändern, dass meine Mam einfach oft sehr alleine ist & die ganze Last des Haushalts auf sich nimmt. Meine Mutter kann nichts dafür, dass mein Vater sich aus der Familie ausgeschlossen fühlt, weil er nichts mehr mitbekommt & sie kann es auch nicht ändern, dass er sich so hilflos fühlt.

Ich wünsche jedem Kind dieser Welt Eltern wie die meinen. Jeder hat Macken & schlechte Angewohnheiten. Mein Vater trinkt häufig zu viel Wein & meine Mutter verdreht Tatsachen & ist zu fürsorglich.

Doch sie sind für mich da. Ich kann mich auf sie verlassen. Wir haben genug Geld um jeden Jahr am Ende der Saison 2 Wochen in eine Ferienanlage zu fahren & jedes meiner Geschwister hat ein eigenes Zimmer, so wie ich. Ich bekomme meine Klamotten meist gezahlt, außer ich will etwas, mit zu weitem Ausschnitt... Ich bekomme Taschengeld & sie fahren mich überall hin, soweit es ihnen zeitlich möglich ist.

Mein Vater arbeitet hart für das Geld, das er verdient. Er hatte schon einen Herzanfall & ist nicht mehr gesund. Ich habe Angst, dass er kaum mehr was von seiner Rente hat, wenn er dann entlich genug gearbeitet hat.

Meine Mam hat sich alle Gelenke, ihre Schultern und Knie mit der Arbeit kaputt gemacht. Wenn wir heutzutage einkaufen fahren trägt nicht mehr sie die schweren Taschen, sondern ich. Obwohl sie mir immer sagt, dass sie das schwerste tragen möchte. Ich lasse sie nicht.

Jedes Kind wünscht sich doch im grunde nichts weiter, als eine intakte, glückliche Familie. Ich verlange keine verheirateten Eltern & ein Einfamilienhaus mit Garten & Auto.

Auch eine Familie, in der die Eltern getrennt leben & man 27 Stief- & Adoptievgeschwister hat, man hat kein eigenes Zimmer, keinen Strom, kein fließend Wasser, nicht einmal jeden Tag etwas warmes zu essen. Auch eine Familie, die so aufgebaut ist, kann glücklich sein. Wenn man als Kind wohlbehütet in einer "intakten" einfach sicheren & gefestigten Umgebung & sozialem Umfeld aufwächst. Ist das eine intakte, glückliche Familie. Streit kommt vor, doch er sollte einen nicht beeinflussen - nicht wie mich.

Das ist alles was ein Kind verlangt, oder?

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